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LANDESSPRECHERIN
22.02.2006 17:53
Frauen und Arbeitsmarkt
Wege aus der Arbeitslosigkeit
2005 - Schwärzestes Jahr für Frauen auf dem Arbeitsmarkt
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich für Frauen dramatisch zugespitzt. Der Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit liegt seit dem Mai 2004 ungebrochen über dem Anstieg der Männerarbeitslosigkeit, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Zum Amtsantritt der Regierung Schüssel im Jahr 2000 waren 86.804 Frauen arbeitslos, heute sind es bereits 120.308, ein Zuwachs von 38,6%. Das sind 33.504 arbeitslose Frauen mehr, unter der Kanzlerschaft Schüssel wurden jeden einzelnen Tag 18 Frauen arbeitslos! Dabei sind jene Frauen, die an AMS-Schulungen teilnehmen, Kindergeld beziehen oder Sozialhilfe-Empfängerinnen sind, nicht von der Statistik erfasst. Auch jene rund 72.000 Frauen, die laut Arbeitskräfteerhebung gerne erwerbstätig wären und derzeit als „haushaltsführend“ gelten, werden von der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht erfasst.
Analysiert man die Datenlage nach den Kriterien von EUROSTAT, ergibt die saisonbereinigte Arbeitslosenquote - im Unterschied zu den österreichischen Statistiken - dass Frauen in Österreich mit 5,2% Arbeitslosen bereits 2004 wesentlich stärker von betroffen waren als Männer (mit 3,9%).
Frauen sind am Arbeitsmarkt nicht nur verstärkt von Arbeitslosigkeit betroffen, ihre Jobs finden sich im Regelfall in den niedriger qualifizierten Ebenen und in Branchen und Tätigkeitsbereichen, die durch schlechtere Arbeitsbedingungen gekennzeichnet sind als die „Männertätigkeiten“. Die „Frauenbranchen“ – die Bereiche Handel, Tourismus, Pflegeberufe, Sozialberufe aller Art, geisteswissenschaftliche Tätigkeiten – sind gekennzeichnet durch belastende Arbeitszeiten, schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten, schlechtere Gehälter und weniger Prestige als die „Männerbranchen“ – etwa Baugewerbe, technische und naturwissenschaftliche Tätigkeiten. Auch hier steuert die Regierung nicht gegen, sondern fördert diese Tendenzen etwa durch unqualifizierte Werbung für Pflegeberufe, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Handel und im Tourismus, etc.
Der Trend nach unten spiegelt sich auch in der im internationalen Vergleich schlechten Entwicklung der Frauenbeschäftigungsquote wider. Österreich fällt zurück. Im Durchschnitt der EU-15 stieg die teilzeitbereinigte Erwerbsquote von Frauen um rund 4,5%, in manchen Staaten deutlich stärker – etwa in Spanien um mehr als 12 % oder in Finnland um über 8%. Einzig in Österreich sank die Frauenerwerbsquote im selben Zeitraum um fast 2%.
Quelle: EUROSTAT
Spitzenreiter ist Österreich im internationalen Vergleich nur bei der Teilzeitquote von Frauen, die weit über dem EU-Schnitt liegt und sich gerade in den letzten Jahren drastisch erhöht hat. Die Teilzeit-Quote von Frauen stieg allein von 2000 bis 2003 von 33% auf 37,1%. Der gesamte Beschäftigungszuwachs der letzten Jahre ist bei Frauen auf Teilzeitbeschäftigungen und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen. Waren es im Jänner 1998 noch „nur“ 118.903 Frauen, die geringfügig beschäftigt waren, so gab es im Jänner 2005 bereits 161.660 geringfügig beschäftigte Frauen, ein Plus von 36%! Eine Existenzsicherung ist mit dem Verdienst aus solchen prekären Arbeitsverhältnissen nicht mehr möglich.
Regierungspolitik gescheitert
Die Regierungspolitik trägt dazu bei, die negativen Entwicklungen noch zu beschleunigen: Das Kindergeld mit seinen geringen Zuverdienstgrenzen und dem fehlenden Kündigungsschutz für die Gesamtdauer des Bezugs hat zu überlangen Abwesenheiten von Frauen vom Arbeitsmarkt und einem deutlich erschwerten Wiedereinstieg in den Job geführt. Männer nehmen nach wie vor kaum Elternkarenz in Anspruch. Die Zahl der männlichen Kindergeldbezieher stagniert seit Monaten bei etwa 3,2%. Die Regierung unternimmt nichts, um eine Erhöhung des Anteils der Karenzväter zu erreichen.
Das Angebot der derzeitigen Arbeitsmarktpolitik an die WiedereinsteigerInnen beschränkt sich auf wenig effektive „Berufsorientierungskurse“. Generell lässt sich feststellen, dass Frauen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik die weniger zukunftsorientierten und weniger qualifizierten Maßnahmen erhalten. Während betriebliche Wiedereingliederungshilfen und konkrete Ausbildungsmaßnahmen mit Zertifikatsabschluss mehrheitlich männlichen Arbeitslosen zugute kommen, entfällt ein überproportional hoher Anteil von Zuschüssen für Kinderbetreuung auf Frauen.
Beim „Frauen-Arbeitsgipfel“ letzten Jahres präsentierte Prof. Felderer (IHS) eine beunruhigende Analyse. Ihm zufolge ist die Lage von Frauen auf dem Arbeitsmarkt gekennzeichnet durch die steigende Arbeitslosigkeit trotz Beschäftigungsanstieg (vorrangig bei atypischen Beschäftigungsverhältnissen), die schwierigerer Integration von arbeitslosen Frauen in den Arbeitsmarkt und einen überproportional hohem Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit vor allem während bzw. nach der Familienphase, bei Frauen ohne Pflichtschulabschluss, aber auch bei Akademikerinnen.
Konsequenzen der Bundesregierung aus dieser Bilanz fehlen bis heute.
Wege aus der Arbeitslosigkeit – Grüne VorschlägeDie Grünen fordern „Vorrang für Frauen“ in der Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung. Entschlossenes Handeln und zielgerichtete Maßnahmen sind erforderlich, um eine Situation zu erreichen, in der Frauen am Arbeitsmarkt gleiche Bedingungen vorfinden wie Männer und genauso selbstverständlich Kind und Beruf vereinbaren können.Die Grünen schlagen dazu jedenfalls folgende Maßnahmen vor:
- 10.000 neue Frauenjobs durch eine „Aktion Frauen plus“
Schaffung von neuen Jobperspektiven für Frauen durch die Förderung von Neubeschäftigung (Übernahme von 2/3 der Lohnkosten auf ein Jahr) - Gleiches Recht für Frauen bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
verbesserte Angebote für berufliche Aus- und Weiterbildung von Frauen und gleichwertige Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen im AMS - Verknüpfung der Wirtschaftsförderung mit Frauenförderung
Schaffung von Anreizsystemen für Betriebe, verstärkt Frauen zu beschäftigen und zu fördern, durch eine Verknüpfung zum Beispiel der Wirtschaftsförderung mit betrieblicher Frauenförderung - Einführung eines erwerbsabhängigen Karenzgelds
Förderung der Väterkarenz und Verkürzung der individuellen Arbeitsmarktabwesenheiten durch Einführung eines erwerbsabängigen Karenzgelds
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