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am 14. Jänner 2015

10 Monate – 10 Jobs: Ein Resümee

Regina Petrik - Die Grüne Landessprecherin blickt auf ihr Lehrjahr „Regina will’s wissen zurück“: "Kein Beruf ist besser oder schlechter als ein anderer."

„2014 war ein intensives und spannendes Jahr für mich. Es war anstrengend und fordernd, aber sehr bereichernd und voll schöner Erfahrungen“, resümiert die Grüne Landessprecherin vorneweg. Während sie die ersten beiden Monate des Jahres noch als Geschäftsführerin der Grünen im Burgenland arbeitete, startete Regina im März mit ihrem Lehrjahr: „Jeden Monat ein neues Arbeitsfeld, jeden Monat neue Tätigkeiten, jeden Monat neue Kolleginnen und Kollegen, jeden Monat eine neue Chefin oder einen neuen Chef. Und jeden Monat Abschied nehmen. Ich hatte vorher nicht damit gerechnet, dass mir diese vielen Abschiede so nahe gehen würden. Das ist auch ein meiner Beobachtung nach wenig bedachter Aspekt, wenn jemand seinen Arbeitsplatz aufgibt oder verliert: Man muss auch von konkreten Menschen in einem sozialen Bezugsrahmen Abschied nehmen.“

WERT DER ARBEIT BESTIMMT ARBEITNEHMERiN UND UMFELD

Was der Grünen Landessprecherin mit jeder Woche „Regina will’s wissen“ klarer wurde: Jede Arbeit bekommt ihren Sinn für die ArbeitnehmerIn durch die Art und Weise, wie er/sie und sein/ihr Umfeld die Arbeit erleben und wie darüber gesprochen wird. „Wenn im gesellschaftlichen Diskurs und in privaten Gesprächen manche Tätigkeiten als weniger bedeutsam oder als ‚niedere Arbeiten’ bezeichnet werden, hat das Auswirkungen darauf, wie es den ArbeitnehmerInnen mit ihrer Arbeit geht. Wenn darüber gesprochen wird, dass jemand ‚halt nichts Besseres gefunden hat’, dann wird von vornherein diese Arbeit abgewertet.“ Die Zufriedenheit mit einem Job hänge – das habe sie dieses Jahr sehr klar erkannt – auch maßgeblich davon ab, ob die Menschen, die einem nahestehen und das gesellschaftliche Umfeld die damit verbundene Tätigkeit als wertvoll qualifiziert.

VIELE UNGERECHTIGKEITEN

„Ich finde ja – und das nach diesem Jahr mehr denn je – , dass kein Beruf schlechter ist als ein anderer“, betont Petrik. „Schlechter ist die Bezahlung, die Wertschätzung, die Einflussmöglichkeit auf Arbeitszeiten oder das Arbeitsklima. Und es gibt eine Menge Ungerechtigkeiten, gerade was die Verteilung von Einkommen, die Verteilung von Arbeitsstunden und die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie die Rücksichtnahme der Arbeitswelt auf Familienleben anbelangt.“ Es fehle, so Petrik aber leider auch oft am Respekt anderen Arbeitswelten gegenüber, „und es scheint manchmal einen Reflex zu geben, alles bewerten zu müssen, auch die Jobs der anderen.“

AUSSENSICHT VERSUS INNENSICHT

Diese Wertung sei vor allem problematisch, weil sie nur aus der Sicht von außen erfolgt, erklärt Petrik. „Mit der Zeit wurde mir deutlich, dass bei allem persönlichen Interesse, das Menschen füreinander haben, letztlich jede und jeder nur die eigene Arbeitsrealität wirklich kennt. Von allen Jobs, die man nur von außen und aus Erzählungen kennt, hat man eben nur diese Außensicht.“ Man könne mehr oder weniger passende Vorstellungen dazu entwickeln, aber man wisse eben nicht, wie es wirklich ist, so Petrik. „Ich denke, das gilt für alle Jobs. Niemand weiß wirklich, wie es Straßenarbeitern geht, wenn man es nicht selbst gemacht hat. Niemand, der oder die nicht selbst in unserem Schulsystem unterrichtet hat, weiß wirklich, wie es LehrerInnen geht. Ebenso ist es bei ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen, NäherInnen, JournalistInnen, LandwirtInnen, …. und PolitikerInnen.“ Das wäre weiter nicht tragisch, meint Petrik, sofern sich niemand einbilde, die Arbeitsrealität der anderen genau zu kennen, und sich in Folge dessen ein Urteil über deren Situation anmaße. „Bei aller Information, die man einholen, bei aller Beobachtung, die man anstellen kann: es bleibt immer ein letztes und wesentliches Stück Unkenntnis.“

LAND DER FORMULARE

Eine Erkenntnis, die Petrik aus allen ihrer Tätigkeitsbereiche gleichermaßen gewinnen konnte: „Wir leben im Land der Formulare. Diese zu lesen, verstehen, auszufüllen, zu überprüfen, abzuzeichnen, weiterzuleiten, zu ordnen, abzulegen ist eine eigene Wissenschaft. Vor allem das Ausfüllen von Formularen und Erstellen von Tätigkeitsberichten und nehmen in vielen Berufen, vor allem im Sozial-, Pflege- und Gesundheitsbereich, aber auch im Alltag von kleinen UnternehmerInnen einen wesentlichen Prozentsatz der Arbeitszeit ein. Diese fehlt dann für die eigentlichen Kernaufgaben des Berufs. Hier wäre eine quer durch die Berufssparten gehende Durchforstung und Überprüfung bzw. Abwägung, welche Dokumentationsarbeit tatsächlich die der dafür notwendigen Arbeitszeit entsprechende Relevanz hat, höchst notwendig.

PARTEIPOLITISCHE VERSTRICKUNGEN IN DER ARBEITSWELT

Der Eindruck, dass die Arbeitswelt im Burgenland nach wie vor sehr stark von den Großparteien kontrolliert wird, hat sich für die Grüne Landessprecherin im Laufe ihres Lehrjahres noch verstärkt. „Viele Leute haben mir erzählt, dass sie parteipolitisch unter Druck gesetzt werden. Viele haben das Gefühl, dass sie weniger Chancen im beruflichen Leben haben, wenn sie nicht bei der ‚richtigen’ Partei sind. Das ist doch schrecklich.“

ARBEITSEINSATZ NICHT ÜBERALL MÖGLICH

Dieser parteipolitische Einfluss bestehe aber nicht nur auf die Arbeitnehmer, erzählt Petrik. Noch stärke wirke sich die Einflussnahme auf die Dienstgeber aus. So erzählt die Landessprecherin etwa vom Versuch eines Praktikums bei der Firma „Facility Management Burgenland“ oder von einigen kleineren Unternehmern, „die aus Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen einer Grünen Politikerin keine Praxisstelle anbieten können oder wollen.“

Ehrliches Interesse ortete Petrik bei vielen angefragten Stellen, wie etwa bei der Polizei. Dort scheiterte es tatsächlich an formalen Problemen, wie etwa, dass der Dienst in einer Polizeistation einer strengen Verschwiegenheitspflicht unterliegt. Sie war auch knapp daran, einen Monat als Schülerin in der Berufsschule Mattersburg zu verbringen. Doch das wurde vom Landesschulrat untersagt.

DANKSAGUNG

Großen Dank spricht die Grüne Landessprecherin ihren ArbeitgeberInnen und KollegInnen aus, die sie mit viel Offenheit aufgenommen haben und Einblick in ihre Arbeitswelt nehmen ließen. Dank sagen möchte Petrik aber auch „allen, die sich für das, was ich erlebt habe, aufrichtig interessiert haben jenen, die mich in diesem Jahr unterstützt haben.“

Mit dem Abstand der ersten Ruhephase seit vielen Monaten blicke sie zurück auf ein Leben, das ihr auch abgehen werde, erzählt Regina: „Täglich mit Menschen zu tun zu haben, deren Lebensmittelpunkt nicht in der Politik liegt, und Arbeiten zu verrichten und zu erledigen, die mit allem Möglichen zu tun haben, nur mit einem nichts: politische Strategie.“

„Ich habe mich aber dafür entschieden, Politikerin zu sein. Also meine Arbeitszeit damit zu verbringen, für das Leben jener Menschen die bestmöglichen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Und das gehe ich jetzt an.“

HAUSBESUCHE UND GESPRÄCHSABEND

„Regina will’s wissen“ geht nun einen Schritt weiter. Die Grüne Landessprecherin will noch viel mehr wissen und wird daher in den nächsten Wochen viel im Land, aber auch bei Hausbesuchen unterwegs sein, um von Menschen zu erfahren, wie es ihnen geht und was sie sich von der Politik erwarten, wünschen, erhoffen. Eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bietet der Gesprächsabend

EINE FRAU AUF JOBTOUR
am kommenden Montag, 19. Jänner 2015 um 19 Uhr
in Eisenstadt, Pizzeria zum Italiener, Kalvarienbergplatz 1

Hier wird Regina Petrik von ihren Erfahrungen erzählen und freut sich auf spannende Gespräche mit den TeilnehmerInnen über deren Erfahrungen am Arbeitsmarkt bzw. mit ihrer Arbeitswelt.​