Bezirkegruene.at
Navigation:
am 4. Dezember 2014

Schluss mit dem Flächenfraß!

Wolfgang Spitzmüller - Zum „Tag des Bodens“ am Freitag stellt der Grüne Landtagsabgeordnete einen Antrag zur Eindämmung der Flächenversiegelung an den Landtag.

Straßen, Parkplätze, Betriebsgelände: Ist der Boden einmal versiegelt, kann er kein Wasser mehr aufnehmen und wird für weitere Nutzung unbrauchbar.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den 5. Dezember zum „Tag des Bodens“ und das kommende Jahr 2015 zum „Internationalen Jahr der Böden“ ernannt. „Höchste Zeit“, meint der Grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller, denn allein in Österreich werden täglich umgerechnet etwa 30 Fußballfelder versiegelt. „Das Burgenland ist dabei im Ländervergleich leider der Spitzenreiter. Es verliert täglich eine Fläche von ca. 3,4 Hektar an Straßen, Häuser, Firmen, Parkplätze.“

In seinem Antrag fordert er die Landesregierung deshalb auf, unverzüglich einen Maßnahmenplan zur massiven Senkung der Flächenversiegelung erarbeiten zu lassen und noch im Jahr 2015 umzusetzen. „Im Rahmen der österreichischen Strategie zur nachhaltigen Entwicklung wurde festgelegt, eine Trendumkehr bei der jährlichen Flächenversiegelung bis 2012 zu erreichen. Bis zum Jahr 2010 sollte die Flächenversiegelung auf ein Zehntel gesenkt werden. Beide Ziele wurden jedoch meilenweit verfehlt“, klagt Spitzmüller. Der Landesentwicklungsplan stehe bereits als tauglicher Rahmengeber für umfassende Maßnahmen zur Verfügung, nun gehe es um konkrete verbindliche Umsetzungen.

„Unsere Böden müssen vor allem zwei zentrale Funktionen erfüllen: Treibhausgase binden und für Nahrungsmittel- und regenerative Energie und Stoff-Produktion zur Verfügung stehen. Insgesamt ging in den vergangenen 60 Jahren aber ein Viertel der damals genutzten landwirtschaftlichen Fläche verloren“, rechnet Spitzmüller vor. Zum Verlust als landwirtschaftliche Nutzfläche kommt der negative Effekt hinzu, dass ein versiegelter Boden kein Wasser aufnehmen kann. „Die immer häufiger werdenden Überflutungen der letzten Jahre sind eine deutliche Mahnung, dass der Wasserhaushalt der Böden bereits ordentlich durcheinander geraten ist.“

POLITISCHES VERSTÄNDNIS, ABER KEIN HANDELN

Bis jetzt sieht es aber leider nicht so aus, als ob die Verantwortlichen in der Landesregierung diese Problematik Ernst nehmen, kritisiert der Grüne Landtagsabgeordnete. Die ÖVP thematisiert, u.a. über die Landwirtschaftskammern, das Problem zwar laufend, aber konkrete Maßnahmen setzt sie nicht. „Alle meine Vorschläge, zB. eine Enquete zum Thema, oder eine Staffelung der Wohnbauförderung werden von der ÖVP nicht ernst genommen, auch wenn sie mir inhaltlich Recht geben“, so Spitzmüller.

FLÄCHENFRESSENDE EINKAUFSZENTREN

Ein wesentlicher „Flächenfresser“ sind Einkaufszentren. Österreich weist mittlerweile eine rekordverdächtig hohe Dichte an Einkaufszentren und Fachmarktzentren auf. Die österreichische Filmemacherin Ulli Gladik zeigt in ihrem gerade in die Kinos gekommen Film „Global Shopping Village“ – bezeichnenderweise am 8. Dez. im OHO zu sehen – wie dramatisch diese Entwicklung unsere Städte und unsere Lebenswelt verändert hat. Walter Brune, jener deutsche Architekt und Stadtentwickler, der das Entstehen moderner Einkaufszentren mitgeprägt hat und sich heute für den Erhalt lebendiger Innenstädte einsetzt, sagt im Film: „Da musste ich als Städtebauer erkennen, du hast einer Stadt die Seele, im Grunde das Herz rausgerissen.“

„BUY LOCAL“ STATT „DEAD MALLS“

„Dead Malls“ heißen die fast oder komplett leer stehenden Shopping-Center in Amerika. Es gibt es immer mehr davon, auch in Europa. Das erste in Österreich ist das „Uno-Shopping-Center in Leonding“. Diese Entwicklung geschieht nicht erst seit der Wirtschaftskrise, sondern schon davor, ist Spitzmüller überzeugt, „unter anderem deshalb, weil sie sich selbst gegenseitig die Kundschaft wegnehmen. Im Falle des „Uno-Shopping-Centers“ war es die neue „PlusCity“, die zum Untergang des zuvor bestehenden Einkaufszentrums führte.“

„Wir laufen im Burgenland also einem veraltetem Trend, ich würde sogar sagen einer Fehlentwicklung, hinterher. In den USA gibt es einen neuen Trend, den ich für wesentlich krisensicherer und vernünftiger halte: „Buy local“ genannt.“ Dieses Konzept würde auch im Burgenland funktionieren, ist Spitzmüller überzeugt: „Das Burgenland ist ein Land der Klein- und Mittelbetriebe. Eine langfristig gesunde Wirtschaft kann es nur geben, wenn wir die bestehenden kleinen Strukturen stärken, anstatt global agierende Konzerne bei ihrem Verdrängungswettbewerb zu unterstützen.“

Antrag von Wolfgang Spitzmüller im Volltext