Bezirkegruene.at
Navigation:
am 27. September

Baustelle öffentlicher Verkehr im Nordburgenland

Regina Petrik - Baustelle öffentlicher Verkehr im Nordburgenland

Jedes Jahr vor der Fahrplanumstellung der ÖBB steigt die Nervosität von Bahn- und BusfahrerInnen und auch heuer dürfte es wieder einige Öffi-NutzerInnen empfindlich treffen. Wichtige Zugverbindungen für PendlerInnen und SchülerInnen sollen laut Planung eingestellt werden, was zu längeren Fahrzeiten führen oder gar zum Umstieg auf das Auto zwingen wird. „Das kann nicht Ziel einer zukunftsorientierten und menschennahen Verkehrspolitik sein“, kritisiert Regina Petrik, Landessprecherin der GRÜNEN. Schon bei der letzten Fahrplanumstellung gab es empfindliche Einschnitte für einige Gruppen. „Nun kommen neuerliche Belastungen dazu, das wollen wir nicht so stehen lassen. Wir wollen nicht, dass PendlerInnen und Eltern von SchülerInnen dazu gezwungen werden, mit dem Auto unterwegs zu sein. Es braucht eine echte öffentliche Alternative. Wir werden noch diese Woche Kontakt mit der ÖBB aufnehmen, um darauf hinzuweisen, dass PendlerInnen, die von Wien kommend über Parndorf hinaus fahren müssen, das Nachsehen haben. Aber das Nordburgenland reicht auch verkehrstechnisch weiter als bis nach Parndorf.“

Dramatische Einschnitte für PendlerInnen und SchülerInnen

Im Burgenland pendeln etwa 50.000 ArbeitnehmerInnen innerhalb des Burgenlandes, die meisten nach Eisenstadt, weitere 50.000 pendeln in ein anderes Bundesland, die davon meisten nach Wien. Das sind 40 % aller unselbständig Erwerbstätigen im ganzen Burgenland. Die wenigsten BurgenländerInnen arbeiten in ihrer eigenen Wohngemeinde. Ca. 30.000 ArbeitnehmerInnen pendeln aus anderen Bundesländern und aus den angrenzenden EU-Staaten in das Burgenland ein.

Täglich sind im Burgenland in etwa 130.000 Menschen morgens und abends unterwegs um zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause zu kommen. Dazu kommen die Schülerinnen und Schüler, die täglich in die Bezirkshauptstädte oder nach Wien pendeln. Das Burgenland ist das Pendler-Bundesland Österreichs. Um das zu bewältigen, braucht es wirksame Maßnahmen im öffentlichen Verkehr, eine gute Taktung und entsprechende Verbindungsmöglichkeiten.

Aber die PendlerInnenmaßnahmen der ÖBB hören am Bahnhof Parndorf Ort auf. Ab dort kommt es im ganzen Burgenland oft zu langen Wartezeiten, schlechten Verbindungen und überfüllten Zügen und Bussen.

„Wir als GRÜNE hören im Gespräch mit den Menschen oft, dass viele gerne öffentlich fahren würden, dass es aber oft zu umständlich ist, zu überfüllt ist oder zu lange dauert. Wenn es Probleme im öffentlichen Verkehr gibt, sind wir für die Bürgerinnen und Bürger die erste Anlaufstelle.“
Gerhard Mölk, Spitzenkandidat Wahlkreis Nord für die Nationalratswahl

DIE BAUSTELLEN IM ÖFFENTLICHEN VERKEHR


Die ÖBB haben im Dezember 2016 bei der Fahrplanumstellung die Zugverbindung von Eisenstadt in Richtung Wien um 13:54 ersatzlos gestrichen. Als Folge davon drängen sich nun viele SchülerInnen des Gymnasiums Kurzwiese und anderer Schulen in Eisenstadt am Domplatz, um einen Sitz- oder auch nur Stehplatz in den Bus nach Neusiedl zu ergattern. Der vollbesetzte Bus braust täglich mit den Nasen an Rücken stehenden Kindern die B 50 entlang. Die Parndorfer Eltern müssen ihre Kinder dann aus Neusiedl holen, ohne zu wissen, ob sie es überhaupt in den Bus geschafft haben.

Ebenso geht es mit den Schülerbussen aus dem Seewinkel nach Neusiedl. Stehplätze sind die Regel. Pendler haben in den Schülerbussen überhaupt keinen Platz mehr und müssen meist mit dem Auto nach Neusiedl oder Parndorf Ort fahren, wenn die Züge in den Seewinkel ungünstig für sie fahren, weil etwa in Neusiedl zu lange Wartezeiten entstehen, oder weil ihre Gemeinde keine Bahnanbindung hat. Der Bahnhof Parndorf Ort ist ab 6 Uhr morgens mit Autos voll, man findet keinen Parkplatz mehr. Ein Ausbau des Parkplatzes und noch mehr Bodenversiegelung gerade in Parndorf kann aber auch nicht die Lösung sein.

Mit dem neuen Fahrplan ab Dezember 2017 sollen mehrere Züge auf der Strecke von Kittsee nach Wien gestrichen werden, sodass die Züge nur mehr im 2-Stunden-Takt fahren. Das bedeutet, dass wieder mehr PendlerInnen gleich mit dem Auto nach Parndorf Ort fahren werden oder direkt nach Wien. Brauchbare Abend- und Wochenend-Verbindungen von und nach Wien fehlen im gesamten Burgenland, das betrifft sowohl Züge als auch Busse. Jetzt soll sogar der letzte direkte Zug von Wien nach Deutschkreutz um 20:19 gestrichen werden. Die frühen Züge von Eisenstadt nach Wien mit Umstieg in Neusiedl bzw. in Bruck könnten enger getaktet werden, sodass hier keine Wartezeiten entstehen. 

GRÜNE MOBILITÄT SIEHT ANDERS AUS

„Wir wollen allen Burgenländerinnen und Burgenländern eine flächendeckende, leistbare, verlässliche Mobilität mit umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen“, sagt Regina Petrik. „Der Straßenverkehr verursacht eine enorme CO2-Belastung und ist, wenn man alle entstehenden Kosten zusammenrechnet, auch finanziell eine große Belastung. Darum setzen wir uns unermüdlich für eine soziale und ökologische Verkehrspolitik ein. Dass dies möglich ist, zeigen Bundesländer, wo GRÜNE in Landesregierungen Verantwortung haben. Dass das auch in einem Bundesland mit ausgeprägten ländlichen Regionen möglich ist, zeigt etwa Ingrid Felipe, LH-Stellvertreterin in Tirol und Bundessprecherin der GRÜNEN. Sie setzte bei Ausbau von Mobilitätsangeboten eine Tarifreform durch, die nun sogar für den Klimaschutzpreis nominiert ist.“ Petrik will, dass auch im Burgenland ambitionierter vorgegangen wird. „Wir fordern Landeshauptmann Niessl auf, sich bei den Nachverhandlungen im Oktober für die PendlerInnen im Seewinkel einzusetzen und auch darauf zu drängen, dass die Wien-Verbindungen von Eisenstadt und Deutschkreutz ausgebaut statt reduziert werden.“

WAS ES BRAUCHT

Für SchülerInnen:

  • Wiedereinführung der direkten Verbindung von Eisenstadt nach Parndorf für Kinder und Jugendliche, die um 13.30 Uhr Unterrichtsschluss haben.
  • Sicherheit beim Einstieg in die SchülerInnenbusse am Domplatz in Eisenstadt und Gewährleistung von Sitzplätzen
  • Reduzierung der Wartezeiten von SchülerInnen, die aus Wien kommend in Neusiedl am See umsteigen und in den Seewinkel weiterfahren.

Für Berufs-PendlerInnen:          

  • Aufrechterhaltung der Verbindungen in die Parndorfer Platte
  • Sinnvolle Gestaltung des Takts Eisenstadt - Wien, damit nicht mit einstündiger Pause in beide Richtungen gleichzeitig gefahren wird
  • Beibehaltung des Takts zwischen Deutschkreutz und Wien
  • Wiedereinführung der 2016 gestrichenen Verbindungen zwischen Pamhagen und Wien

Für die Attraktivierung des ÖVs im Nordburgenland braucht es:

  • einen engeren Takt, auch in den Abendstunden
  • eine 2. Trasse zwischen Eisenstadt und Parndorf
  • eine 2. Trasse zwischen Kittsee und Parndorf
  • einen Pendlerbus für den Seewinkel zwischen Apetlon und Parndorf
  • Zubringerbusse zu den Bahnhöfen aus den umliegenden Gemeinden
  • eine Tarifreform: 365 Euro-Ticket für das Burgenland sowie für Niederösterreich
  • bis dahin: ein 800 Euro VOR-Jahresticket
Regina Petrik und Gerhard Mölk