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am 3. September

Petrik fordert radikales Umdenken in Verkehrspolitik

Die Redaktion - Mit dem Schulbeginn sind wieder viele Kinder und Jugendliche Tag für Tag auf dem Schulweg Teil des Straßenverkehrs. Auch der Berufsverkehr rollt in vollem Umfang über Burgenlands Straßen. Unachtsamkeit und Stress im Verkehr werden für Kinder zum Sicherheitsrisiko, CO2-Ausstoß und Lärmentwicklung stellen langfristige Gesundheitsrisiken dar.

„Kinder haben ein Recht auf Sicherheit. Gerade durch den immer noch ansteigenden KfZ-Verkehr lauern akute und langfristige gesundheitliche Gefahren. Daher muss jetzt eine radikale Mobilitätswende eingeleitet werden.“
Regina Petrik, Landtagsabgeordnete und GRÜNE Landessprecherin

Entgegen dem österreichweiten Trend stieg im Burgenland die Zahl der Toten im Straßenverkehr im Jahr 2017 im Vergleich zu 2016 von 19 auf 25. Das ist ein erschreckender Anstieg. 46 Kinder im Alter bis 14 Jahre wurden dabei verletzt. Noch immer ist der Ortsverkehr Gefahrenpunkt Nummer 1 für Kinder im öffentlichen Raum. Laut Landespolizeidirektion wurden 2017 bei 803 Verkehrsunfällen mit Personenschaden 939 Personen verletzt. Nicht angepasste Geschwindigkeit, Unachtsamkeit, Alkohol und Drogen im Straßenverkehr sowie Ablenkung stellen die größte Unfallursache dar.

„Der öffentliche Raum darf nicht zur Gefahrenquelle für Kinder werden“, mahnt Regina Petrik. „Deren Sicherheit und Gesundheit müssen an erster Stelle stehen.“ Die Gesundheit werde aber nicht nur durch Unfallgefahren beeinträchtigt. Luftverschmutzung und Lärmbelastung sind schleichende, aber erbarmungslose Gefahrenquelle für die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Darauf machen auch zahlreiche Bürgerinitiativen aufmerksam, wie etwa die Lärmschutzinitiativen Großhöflein und Müllendorf sowie die Bürgerinitiative „BIG A3“, die gegen die Verlängerung der Autobahn A3 bis zur ungarischen Grenze kämpft.


„Gerade Kinder sind anfällig auf diese Belastungen. Krankheitsbilder wie Atemwegserkrankungen und Herzrhythmusstörungen treten in Gebieten mit erhöhter Stickoxidbelastung nachweislich häufiger auf.“
Regina Petrik, Landtagsabgeordnete und GRÜNE Landessprecherin

Scharfe Kritik üben die GRÜNEN in diesem Zusammenhang an der Verkehrspolitik der Bundesregierung. „Temporausch im Straßenverkehr bringt nur einigen wenigen Rasern etwas, die Mehrheit der Bevölkerung, allen voran die Anrainergemeinden, leiden unter höheren Geschwindigkeiten auf der Straße“, nimmt Petrik klar Stellung im Sinne der Lebensqualität der Menschen entlang von stark befahrenen Straßen. Das Umweltbundesamt rechnete vor, dass der Ausstoß von Stickoxiden bei Tempo 140 gegenüber Tempo 130 um etwa 16 Prozent, im Vergleich zu Tempo 100 sogar um mehr als 35 Prozent erhöht wird. „Stickoxide sind in hohem Maße gesundheitsschädlich,“ sagt Petrik. „Gerade Kinder sind anfällig auf diese Belastungen. Krankheitsbilder wie Atemwegserkrankungen und Herzrhythmusstörungen treten in Gebieten mit erhöhter Stickoxidbelastung nachweislich häufiger auf. Auch Feinstaubemissionen nehmen bei Tempo 140 gegenüber Tempo 130 deutlich zu und führen zu gesundheitlichen Problemen, vor allem die Lunge wird durch eine erhöhte Feinstaubkonzentration belastet. Und auch hier sind wieder Kinder besonders betroffen. Dazu kommt dann auch noch die Lärmbelastung, die bei Kindern zu massivem Schlafentzug führen können. Ich will, dass im Burgenland die Lebensqualität und die Gesundheit einen höheren Stellenwert haben, als ein paar Minuten Fahrzeitersparnis auf der Autobahn. Daher ist Geschwindigkeitsreduktion das Gebot der Stunde.“

„Ich will, dass im Burgenland die Gesundheit der Kinder einen höheren Stellenwert hat als ein paar Minuten Zeitersparnis auf der Autobahn.“
Regina Petrik, Landtagsabgeordnete und GRÜNE Landessprecherin

NEUE RANGORDNUNGEN IM ORTSVERKEHR

Unser Verkehrssystem ist trotz Bemühungen für mehr Sicherheit auch im Ortsverehr darauf ausgerichtet, dass zuerst einmal der Autoverkehr ungehindert und möglichst schnell vorankommt. Hier braucht es ein radikal neues Verständnis. Fußgängerinnen und Fußgängern muss Vorrang eingeräumt werden. Dazu wird es notwendig sein, für motorisierte Verkehrsteilnehmer bremsweggerechte Tempolimits festzusetzen.

Besonderen Nachholbedarf in Sachen Sicherheit im Straßenverkehr ortet Petrik für den Fahrradverkehr. „Es ist gut, dass es seitens der Regierung das Anliegen gibt, den Anteil des Radverkehrs im Mobilitätsaufkommen zu erhöhen. Dazu gehört aber auch, dass es entsprechend stärkere Sicherheitsmaßnahmen gibt.“ Radwege müssten ausgebaut und gesichert werden, vor allem bei Querungen von Straßen. „Es darf nicht sein, dass Radfahrer und Fußgängerinnen sich auf kleinem Raum drängen müssen, um Autos ein höchstmögliches Tempo zu ermöglichen. Das ist keine gerechte Aufteilung im öffentlichen Raum.“

SICHERHEIT FÜR GESUNDHEIT UND UMWELT

Da moderne Mobilität umfassender gedacht werden muss, als sich ausschließlich an Fahrgeschwindigkeiten zu orientieren, fordern die GRÜNEN eine radikale Verkehrswende im Burgenland. „Grundlage eines neuen Mobilitätsdenkens muss es sein, dass alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gleichwertig sind, egal, ob sie zu Fuß, mit dem Rad, oder motorisiert unterwegs sind“, betont Regina Petrik. „Nur so ist die Sicherheit aller bestmöglich gewährleistet. Das Steuersystem und die Förderung der Mobilität durch die öffentliche Hand müssen sich an ökologischen und sozialen Kriterien orientieren.“ Grüne Verkehrspolitik hat immer auch die Auswirkung von Verkehr auf Umwelt, Klima und Gesundheit der Menschen im Auge und ermöglicht gleichberechtigte und für alle Bevölkerungsteile leistbare Teilhabe am öffentlichen Raum.

DAHER FORDERN WIR:

  • Vorrang für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs vor dem Ausbau von Straßen
  • 365 Euro-Jahresticket für die Ostregion
  • Ausweitung des Top-Jugendtickets auf Studierende
  • High-Speed-Radwege zu Knotenpunkten und Bezirksvororten
  • Ausbau und Sicherung der Radwege für den Alltags-Radverkehr speziell auf Schulwegen
  • Stopp der Verlängerung der Autobahn A3 und Streichung des Projekts aus dem Bundesstraßenbauplan
  • Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h für (PKW) und 60 km/h (LKW) auf der A3 in der Nacht auf allen Autobahnen entlang von Wohngebieten
  • Verstärkte Förderung des Mikro-ÖVs in gemeindeübergreifenden Projekten
  • Überprüfung jeder verkehrspolitischen Maßnahme hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit der Menschen
  • Überprüfung jeder verkehrspolitischen Maßnahme hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität der Anrainerinnen und Anrainer, z.B. in Bezug auf Lärmentwicklung
  • Beendigung des Diesel-Privilegs
  • Ökologisch gerechte Flugticketsteuer
  • Informationskampagne für Erwachsene zum sicheren Umgang mit dem Handy im Straßenverkehr - speziell für Fußgängerinnen und Fußgänger (Vorbildfunktion für Kinder)
  • Weiterführung der Bildungs- und Schulungsprogramme für Kinder und Jugendliche zur Sicherheit im Straßenverkehr