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am 2. August

Megaprojekte am Seeufer zerstören die Natur

Regina Petrik - Am ungarischen Seeufer des Neusiedlersees befindet sich ein Großprojekt in Planung, das aufgrund seiner Größe nicht nur die GRÜNEN, sondern auch Natur-, Umwelt- und LandschaftsschützerInnen alarmiert. Wir fordern nun, dass für dieses Großprojekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wird.

In Fertőrakós, am ungarischen Seeufer des Neusiedlersees, befindet sich ein Großprojekt in Planung, das aufgrund seiner Größe nicht nur die GRÜNEN, sondern auch Natur-, Umwelt- und LandschaftsschützerInnen alarmiert. Auf 52 ha soll ein Freizeit- und Tourismuszentrum entstehen, für das 880 Autostellplätze, 440 Liegeplätze für Schiffe, 354 Liegeplätze für Boote, ein Hotel mit 100 Zimmern, einen Campingplatz, Sportplätze, ein sogenanntes Ökozentrum und eine Motel projektiert. Das ist ein unglaublicher Eingriff in die Natur und hat Auswirkungen auf die gesamte Region. Wir fordern, dass für dieses Großprojekt am Ufer des Neusiedlersees eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wird. Dafür muss sich die burgenländische Landesregierung und die österreichische Bundesregierung einsetzen.​​ ​

Obwohl schon allein die Anzahl der zugelassenen Schiffe und Boote deutlich machen, dass der österreichische Teil des Neusiedlersees von diesem Bauprojekt betroffen sein wird, meinen die ungarischen Behörden, dass grenzüberschreitende Auswirkungen nicht zu erwarten wären. Wir sehen das anders. Hier geht es nicht nur um grenzübergreifende Wirkung, sondern auch um die Auswirkungen auf Natur und Umwelt, zumal es sich um ein Schutzgebiet handelt. Das Gebiet ist Teil des grenzüberschreitenden Neusiedlersee-Nationalparks und gehört zu den wenigen ungarischen Schutzgebieten, die in der Datenbank als Nationalparks der IUCN-Kategorie II registriert sind. Gemäß den Richtlinien der IUCN sollte das Naturschutzmanagement in Schutzgebieten der Kategorie II eine natürliche Entwicklung anstreben und keine menschlichen Eingriffe vornehmen. Eine touristische Nutzung wäre zwar möglich, aber der geplante Tourismuskomplex fällt schon von seiner Größe her nicht unter "Ökotourismus".​

Das Gebiet ist auch ein Natura 2000-Gebiet, das sowohl im Rahmen der Habitat- als auch der Vogelschutzrichtlinie geschützt ist, und es ist auch ein Ramsar-Feuchtgebiete-Schutzgebiet.

Darüber hinaus haben wir Sorge, dass dem Neusiedlersee der Weltkulturerbestatus aberkannt wird, sollte dieses Projekt in der geplanten Form umgesetzt werden. Ebenso könnte das Gebiet auf die rote Liste der Ramsargebiete gesetzt werden. Bislang weigern sich die ungarischen Behörden, eine UVP durchzuführen. Genau das muss jetzt durch internationalen Druck erreicht werden.
 
Der Bereich am Seeufer, der ohne Zweifel eine Modernisierung vertragen könnte, erfährt durch dieses Projekt eine massive Bodenversiegelung. Es ist noch nicht geklärt, ob zusätzliche Ausbaggerungen und Aufschüttungen geplant sind. Außerdem ist damit zu rechnen, dass es zu weiterem Verlust von Schilfbeständen kommen wird. Der Bereich, der von der Investition betroffen sein wird, fungiert derzeit als Kohlenstoffsenke. Mit 13,6 Hektar neuer künstlicher Abdeckung wird diese Kohlenstoffbindungskapazität erheblich sinken. Zusätzlich befürchten wir, dass durch den Bau der Süßwasserlebensraum, ein besonders bedrohter Lebensraumtypen in Europa, zerstört wird. Es muss besonders darauf geachtet werden, diese Gebiete im Neusiedler See zu erhalten. Es gibt also eine Menge offener Fragen.
Daher haben wir an die zuständige Landesrätin Astrid Eisenkopf eine schriftliche Anfrage gestellt. Wir fordern, dass Landes- und Bundesregierung in dieser Sache aktiv werden. Auch unsere Europaabgeordneten werden eine Anfrage an die Kommission stellen.​

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