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am 12. Mai

Regina will's wieder wissen

Regina Petrik - Abfallwirtschaft in der Praxis

Politische Entscheidungen nur vom runden Tisch aus zu betrachten, ist nicht meines. Ich will auch in die Praxis eintauchen und dadurch einen umfassenderen Einblick in das bekommen, worüber ich als Politikerin entscheide,“ begründet Regina Petrik (GRÜNE) ihre Motivation, immer wieder wochenweise in verschiedene Berufsfelder einzutauchen und die Welt unterschiedlichster Menschen aus deren Perspektive zu betrachten. Als Landtagsabgeordnete sitzt Petrik zurzeit am Verhandlungstisch zur Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes. Was das in der Praxis bedeutet, schaute sich die grüne Landessprecherin von 8.- 11. Mai an und zwar als Arbeiterin im Sammelzentrum des UDB (Umweltdienst Burgenland) am Föllig in Großhöflein, ganz regulär mit Dienstvertrag und Arbeitsgewand.

Wie schon bei ihrer Jobtour im Jahr 2014 interessierte die Landessprecherin der GRÜNEN, wie es jenen geht, die in ihrer tagtäglichen Arbeit für etwas zuständig sind, das für die meisten Menschen eine nicht näher bedachte Selbstverständlichkeit ist. Und weil sich die Abgeordnete auch nicht davor scheut, in den Dreck zu greifen, begab sich Regina Petrik direkt auf den Kompostplatz, wo sie vier Tage lang sogenannte Störstoffe aussortierte. Entspannung gibt es in den Pausen mit den Arbeitskollegen. „Ich habe nette Kollegen, die mich gleich freundlich aufgenommen haben. Für’s Schmäh führen muss man einander nicht lange kennen.“

VERSCHMUTZTE BIOTONNEN ERHÖHEN DIE KOSTEN

Die schlimmste Verschmutzung des Biomülls stellen die unzähligen Plastiksackerln dar, weiß Petrik nun aus eigener Erfahrung. „In den Biomülltonnen landen unzählige Plastiksackerln, die dann alle wieder einzeln herausgezupft werden müssen. Oft erkennt man von außen nicht einmal, was drinnen ist. Das ist dann schon grauslich, wenn man ein Sackerl aufmacht und dann sind wieder Lebensmittelreste vermischt mit Restmüll oder Folien drinnen. Außerdem werden im Laufe der Verarbeitung die Kunststofffolien so zerfetzt, dass das Herauspicken sehr, sehr aufwändig ist. Das sind alles Arbeitsschritte und damit Personalkosten, die vermeidbar wären, wenn in der Biotonne wirklich nur kompostierbarer Abfall landen würde. So gesehen führen die Unachtsamkeit und Faulheit einzelner zu wirtschaftlichen Belastungen und damit Kosten für alle.“

Leider fehlt noch bei vielen das Bewusstsein über die Konsequenzen dieser Fehlwürfe. Dazu kommen sprachliche Probleme bei Menschen, in deren Herkunftsländern Mülltrennung noch kein Thema ist, wie etwa in Ungarn und in der Slowakei. Darüber hinaus dürften auch die angedrohten Strafen bei Verstößen gegen das Abfallwirtschaftsgesetz wenig abschreckend sein. „Wenn ein Gewerbebetrieb wiederholt seinen Abfall, zum Beispiel Styropor, nicht ordnungsgemäß entsorgt, hat das Folgen für die Umwelt. Nach meiner Erfahrung auf dem Kompostplatz kann ich sagen: ein mehrstündiger Arbeitseinsatz hier bei der Aussortierung der Störstoffe wurde wohl nachhaltigere Wirkung haben als eine Strafzahlung“, ist Petrik überzeugt. „Wer die Konsequenzen des eigenen Handelns auch am eigenen Leib verspürt, wird in Zukunft achtsamer sein.“

Regina Petrik hat, umhüllt von den Gasen, die im Gärungsprozess entstehen, viel aussortiert, das im Kompost nichts verloren hat: Cremetuben, Kaffeekapseln, Plastikblumentöpfe, Kunststoffverpackungen aller Art, ein Mundspray, Medikamentenfolie, Teelöffel, Haarshampoo-Flasche, Getränkedosen, Plastikflaschen, Erdäpfelnetze, Ketchup-Flasche, Plastikdeckel, Katzenfutter-Beutel, Alufolie, eine Zahnbürste und sogar Batterien.

MASSNAHMEN ZUR REDUKTION VON PLASTIK

„Die hohe Belastung der Weltmeere durch Plastik ist vielen Menschen schon bekannt, wir haben das Problem auch hier ganz konkret vor den eigenen Haustür“, kritisiert Petrik. „Leider sind für die Kompostierung die biologisch abbaubaren Folien auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn beim Aussortieren von Störstoffen aus dem Biomüll ist von außen nicht gleich erkennbar, was für eine Art von Folie im Biomüll steckt. Das heißt, dass jeder Zipfel jedenfalls herausgezogen werden muss. Außerdem wollen die KonsumentInnen, die den Kompost kaufen ein Produkt ohne Folienfetzen, auch wenn diese in den nächsten zehn Jahren irgendwann einmal biologisch abgebaut sein werden.“

Ein wichtiger Beitrag zur Reduktion dieser Störstoffe ist die generelle Reduktion von Plastik im Wirtschaftskreislauf, etwa auch beim Verpackungsmaterial. Wesentlich ist Minimierung der Verwendung von Plastiksackerln beim Einkauf. Modelle dafür gibt es bereits in anderen Staaten. Seit März 2002 gibt es in Irland eine Steuer von 15 Cent pro Einmal-Plastiksackerl. Der Verbrauch wurde daraufhin um 90% gesenkt. In Italien sind Plastiksackerln seit 2011 verboten, der Handel und die KonsumentInnen haben sich auf Einkaufstaschen und Stoffsackerln umgestellt. In vielen Städten in den USA sind bereits Plastiksackerlverbote umgesetzt und auch in einigen afrikanischen Ländern gibt es bereits Initiativen.

PETRIKs FORDERUNGEN nach dem ABFALL-PRAKTIKUM


  • ​Umsetzung eines Plastiksackerlverbots zur Reduktion von Plastik auf den Müllhalden
  • ​Einführung eines Pfandsystems auf Plastikflaschen und Getränkedosen
  • ​​Intensivere Aufklärung und Bewusstseinsbildung über die Folgen von Fehlwürfen
  • ​Mehrsprachige Aufschriften auf den Mülltonnen, vor allem in Ungarisch und Slowakisch
  • ​Konsequente Überprüfung der Einhaltung des Abfallwirtschaftsgesetzes und Verhängung von Strafen bei Gesetzesverstößen
  • ​Ermöglichung der Verhängung eines „Störstoff-Aussortierdienstes“ als Verwaltungsstrafe bei Verstößen gegen das Abfallwirtschaftsgesetz