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26.02.2026 Grünes Wissen

1. März ist Equal Care Day

Equal Care Day

Equal Care Day: Weil Sorge kein Frauen-Schicksal ist

Am 1. März, ist Equal Care Day. Kein Feiertag, sondern ein Weckruf. Ein Tag, der sichtbar macht, was in unserer Gesellschaft täglich oft unsichtbar bleibt: die ungeheure Last der Sorgearbeit, die Frauen tragen – still, selbstverständlich, unbezahlt.

Der Equal Care Day wurde 2016 ins Leben gerufen. Er findet symbolisch am 29. Februar statt – dem Schalttagsdatum, das nur alle vier Jahre existiert. Genauso wie Care-Arbeit: allgegenwärtig, systemtragend, und dennoch gesellschaftlich kaum wahrgenommen. In Jahren ohne Schalttag begehen wir ihn am 1. März  und auch dieser Termin erinnert uns daran: Wir können nicht vier von fünf Jahren einfach wegsehen.

Die Zahlen, die schmerzen

Österreich liegt EU-weit am Schlusslicht, wenn es um die gerechte Aufteilung von Sorgearbeit geht. Der sogenannte Gender Overall Care Gap beträgt in Österreich über 70 Prozent. Das bedeutet: Frauen leisten täglich im Schnitt 3 Stunden 48 Minuten unbezahlte Sorgearbeit – Männer nur 2 Stunden 14 Minuten. Fast 60 Prozent der gesamten Arbeitszeit von Frauen fließt in unbezahlte Arbeit.

Das Burgenland ist dabei kein Ausnahmefall. Im Gegenteil: Gerade in ländlicheren Regionen Österreichs, und das Burgenland ist zu einem großen Teil ländlich geprägt, übernehmen Frauen noch mehr unbezahlte Tätigkeiten als im Bundesschnitt. Töchter, Ehefrauen, Schwiegertöchter – sie pflegen, kochen, organisieren, erziehen.

Bei Paaren mit Kindern unter 15 Jahren arbeitet in knapp der Hälfte der Haushalte der Mann Vollzeit, die Frau Teilzeit. Nur jeder 13. Mann mit kleinen Kindern arbeitet Teilzeit, bei Frauen ist es fast jede Dritte. Betreuungspflichten sind der mit Abstand häufigste Grund, warum Frauen in Österreich ihre Erwerbsarbeit reduzieren oder ganz aufgeben.

Auch in der professionellen Care-Arbeit, in der Pflege und in der Kinderbetreuung, sind es überwiegend Frauen: In den Pflegediensten liegt der Frauenanteil bei über 80 Prozent, in der Kinderbetreuung sogar bei über 90 Prozent.

Das Burgenland hat in manchen Bereichen Fortschritte gemacht. Das Anstellungsmodell der Pflegeservice Burgenland GmbH, das seit 2019 besteht und österreichweit einzigartig ist, ermöglicht es pflegenden Angehörigen, sich anstellen zu lassen – mit Sozialversicherungsschutz und geregeltem Lohn. Eine wichtige Maßnahme. Und dennoch sind fast 70 Prozent der so Angestellten Frauen. Das Modell entlastet, aber es verfestigt zugleich, wer pflegt: Frauen.

Der Equal Pay Day im Burgenland fiel zuletzt auf den 5. November, ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen für kein Geld mehr. Ein direkter Zusammenhang mit der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit: Wer mehr pflegt und betreut, verdient weniger, baut weniger Pensionsansprüche auf und rutscht im Alter leichter in Armut.

Sorgearbeit ist nicht weiblich – sie wurde Frauen zugewiesen

Es ist kein Naturgesetz, dass Frauen mehr kochen, mehr pflegen, mehr erziehen, mehr organisieren und dabei noch den „Mental Load” tragen – also die unsichtbare Denkarbeit, die hinter all dem steckt: Arztermine im Kopf haben, den Kühlschrank überblicken, die Gefühlslagen der Kinder managen, die Kinderbetreuung mit dem Dienstplan abstimmen.

Wir wurden dazu sozialisiert. Mädchen lernen früh: Fürsorglichkeit ist weiblich. Und diese Überzeugung hält sich hartnäckig in Köpfen, in Strukturen, in Steuermodellen, in Öffnungszeiten von Kindergärten.

Als GRÜNE Burgenland sagen wir klar: Das muss sich ändern. Nicht durch Appelle an den guten Willen einzelner Männer. Sondern durch mutige Maßnahmen.

Wie jede einzelne Person mitwirken kann

1. Care-Arbeit bewusst teilen
Wer im Haushalt lebt, kann Verantwortung mittragen: Termine organisieren, einkaufen, Kinder zur Schule bringen, Arztbesuche übernehmen. Gleichberechtigung beginnt im Alltag – nicht im Gesetzestext.

2. Väter aktiv ermutigen
Sprich offen darüber, wenn Väter Zeit mit ihren Kindern nehmen. Sichtbare Vorbilder verändern Normalität. Anerkennung statt Verwunderung macht Fürsorge selbstverständlich.

3. Mental Load ansprechen
Nicht nur fragen: „Sag mir, was ich tun soll“, sondern selbst mitdenken. Wer plant den Urlaub? Wer merkt sich Geburtstage? Wer organisiert Geschenke? Aufgaben sichtbar zu machen ist der erste Schritt zur fairen Verteilung.

4. Flexible Lösungen im Arbeitsumfeld unterstützen
Kolleg:innen mit Betreuungspflichten brauchen keine Sonderbehandlung, sondern Verständnis. Wer Meetings klug plant oder Vertretungen solidarisch übernimmt, stärkt eine Kultur des Miteinanders.

5. Pflege nicht unsichtbar lassen
Wenn im Umfeld jemand Angehörige pflegt, nachfragen, Hilfe anbieten, Zeit schenken. Kleine Entlastungen machen einen großen Unterschied.

6. Stereotype hinterfragen
Wer sagt eigentlich, was „typisch weiblich“ oder „typisch männlich“ ist? Rollenbilder entstehen durch Wiederholung – und verändern sich durch bewusste Entscheidungen im Alltag.

Wenn Frauen aufhören – steht das Land still

Das Hilfswerk Österreich hat es auf den Punkt gebracht: Würden alle Frauen ihre private oder berufliche Care-Arbeit niederlegen, wäre die Gesellschaft nicht mehr funktionsfähig. 377.000 Kinder wären unbetreut, 159.000 pflegebedürftige Menschen unversorgt. Die Wirtschaft würde zusammenbrechen.

Care-Arbeit ist nicht weniger wert als Erwerbsarbeit. Sie ist die Grundlage von allem.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der Fürsorge nicht am Geschlecht hängt – sondern als das anerkannt wird, was sie ist: unverzichtbar, gesellschaftlich wertvoll, und gerecht aufzuteilen.

Denn Sorge ist keine Frage des Geschlechts. Sie ist eine Frage der Gerechtigkeit.