FAQ: Asbest im Burgenland
Woher kommt der Asbest im Burgenland?
Serpentinit ist ein dunkelgrünes hartes, leicht schieferiges Gestein, welches natürlich v.a. im Südburgenland vorkommt und viel verwendet wird. Eine Besonderheit ist das natürliche Vorkommen von Asbest im Serpentinit-Gestein.
Wie kann man Asbest im Serpentinit erkennen?
Der Unterschied ist mitunter leicht erkennbar:
1) Die Asbeststellen sind teilweise hellgrau bis ganz weiß.
2) Das Material wirkt brüchig und wenig fest gebunden.
3) Längere dünne Fasern sind gut sichtbar.
Das kann aber auch Talk/Talkum sein, das ebenso vorkommt, die exakte Unterscheidung ist nur mit Laboranalyse möglich. Sind die Teile aber sehr fransig, ist die Chance sehr groß, hier Asbest vor sich zu haben.
Warum gibt es jetzt ein Gesundheitsproblem?
Bei Trockenheit und Manipulation (Abbau, Bearbeitung, Reibung durch das Befahren) zerbröselt das Material und wird staubig. Sehr kleine Fasern könnten, wenn sie in die Luft geraten, durch Aufwirbelung eingeatmet werden. Falls die Fasern in die Lunge kommen, verbleiben sie da, was in wenigen Fällen zu Lungenerkrankungen und im schlimmsten Fall Jahrzehnte später zu Krebserkrankungen führen kann. Ob und in welcher Menge das möglich und wahrscheinlich ist, ist aktuell unklar, deshalb braucht es vielfache und fachlich fundierte Messungen, die die neu eingerichtete Taskforce anleitet.
Wie groß ist aktuell die Gefahr?
Bei Nässe besteht kaum ein Problem, da sind die Fasern schmierig-cremig, und somit gibt es keine Staubgefahr. Genaues werden aber erst die aktuell durchgeführten Messungen der Taskfoce ergeben.
Liegt dieses Gestein (auch bei Trockenheit) nur abgelagert ohne bewegt zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhten Belastung der Luft mit Asbestfasern nach Einschätzung der Expert:innen sehr gering. Wie viele Fasern im Extremfall bei Trockenheit in die Luft und damit auch in unsere Atemluft gelangen können, ist derzeit noch unklar. Hier braucht es aussagekräftige Messungen auch bei Trockenheit.
Aktuell ist die Belastung aufgrund des nasskalten Wetters – auch lt. Univ. Prof. Moshammer (Taskforce) vermutlich gering bis nicht vorhanden, daher werden die durchgeführten Messungen nicht viel Nachweise in der Luft ergeben, meint Moshammer.
Wie ist das Risiko bezüglich dieses Gesteins in Asphalt und Beton?
Bei gebundenem Asbest dürfte laut Expert:innen die Gefahr eher gering sein, weil der Abrieb minimal ist und es daher vermutlich auch zu keiner nennenswerten Staubbildung kommt. Daher ist auch davon auszugehen, dass der Skaterplatz, den Greenpeace überprüft hat, kein Gesundheitsproblem birgt. Aber auch hier gilt, es braucht Messungen und Analysen.
Was geschieht jetzt?
Aktuell sind die Steinbrüche behördlich gesperrt. Wesentlich sind jetzt vielfältige fachlich fundierte Messungen, die über die Taskforce laufen, über längere Zeiträume hinweg, unter verschiedensten Bedingungen. Die Messungen werden dann von der Taskforce analysiert und bewertet. Dann wird die Taskforceeine Empfehlung abgeben.
Unter den derzeitigen winterlich feuchten Bedingungen können keine relevanten Mengen an Asbestfasern freigesetzt werden. Daher besteht zum jetzigen Zeitpunkt kein unmittelbarer Bedarf an aufwendigen und allenfalls beschränkenden Maßnahmen – so die Taskforce.
In meinem Nahbereich (Garten, Hauszufahrt, Parkplatz) liegt Serpentinit-Material, was tun?
Wie bereits erwähnt ist die Gefahr vor allem bei Staubbildung gegeben. Gar nicht oder wenig befahrene Bereich, stellen höchstwahrscheinlich keine Gefahr dar.
Hantieren, Aufschütten, Umschaufeln, alles was zur Staubbildung führt, ist vorsorglich zu vermeiden.
Wie viel davon gibt es wo?
Das Gestein aus den 4 Steinbrüchen wurde v.a. im Südburgenland, aber auch in der Steiermark, Niederösterreich und Ungarn an vielen Stellen verwendet. Als Streusplitt, als Schotter auf Wald- und Feldwegen, Güterwegen, mitunter auf den Hauszufahrten, als Randschotter auf Gehwegen etc. Aktuell haben wohl viele Gemeinden einen großen Haufen Streusplitt auf Lager liegen. Es wird geprüft, ob für jährliche Einsammeln des jetzt ausgestreuten Streusplittes besondere Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind. . ABER genaues wird man eben erst wissen, wenn verwertbare Messergebnisse vorliegen. Wichtig ist: für Schotter auf Gemeindestraßen, öffentlichem Gut in Gemeinden und Güterwege sind die Gemeinden zuständig.
Warum wird das erst jetzt zum Thema?
Aufgrund des Ansuchens um Erweiterung eines Steinbruchs hat eine Amtssachverständige des Referats für Luftreinhaltung Messungen angeordnet, die in weiterer Konsequenz zur Schließung der Steinbrüche geführt hat.
Wenn man in die Vergangenheit schaut, wurde das Thema von den zuständigen Behörden (Bezirkshauptmannschaften) vielleicht nicht ernst genug genommen. Möglicherweise ja auch zu recht. Wie groß der Anteil generell ist und die wichtigste Frage, wie sehr Asbestteile in die Luft gelangen, ist nach wie vor unsicher. Es gibt für natürlich vorkommendes Asbest keine Abbau- und Verwendungseinschränkungen auf Bundesebene, auch gibt es keine Grenzwerte für die Verwendung in der Umgebung. Es gibt nur Einschränkungen für verarbeitetes Asbest (wie früher in Eternit-Platten) bzw. Grenzwerte für Innenräume und im Arbeitnehmer:innenschutz. Das wäre auch für die Arbeiter:innen in den Steinbrüchen in der Vergangenheit schon gültig gewesen. Warum das Arbeitsinspektorat nicht früher tätig geworden ist, ist rätselhaft. Weitere Aufklärung liegt bei der Taskforce.
Was tun die Grünen in der Landesregierung?
Wir setzen uns dafür ein, dass der Aufklärungsprozess so schnell und sorgfältig wie möglich von statten geht und transparent informiert wird. Panikmache in der Bevölkerung wollen wir nicht unterstützen –Menschen sollen nicht vor Angst um ihr Neugeborenes nicht schlafen können.
Wenn man in Regierung ist, hat man auf aktuelle Gesetze zu achten – und da ist Österreich säumig. Es gibt keine Grenzwerte oder Regelungen, die über die Schließung der Steinbrüche hinausgehend möglich ist. Wir bereiten daher auch Forderungen an die Bundesregierung vor, eindeutige gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nach den Messungen der Taskforce entsprechend nächste Schritte gesetzt werden können.
Wer sitzt in der Taskforce?
Geleitet wird sie vom Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Med Uni Wien beziehungsweise seinem Vertreter Univ.-Prof. Dr. Hannes Moshammer. Weiters besteht die Taskforce aus Mag. Andreas Temmel, dem gerichtlichen Asbest-Sachverständigen DI Michael Kochberger, dem Molekularbiologen und Vorsitzenden des Expertenbeirats für Forschung des Landes Univ.-Prof. Dr. Ulrich Elling, Landesumweltanwalt DI Dr. Michael Graf und der Amtssachverständigen DI Dr. Andrea Schröck. Der Austausch mit den zuständigen Ministerien erfolgt regelmäßig.
Wo gibts mehr Infos?
Für Fragen und Informationen steht der Bevölkerung die Hotline 057 600 1027 von Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 16 Uhr, und freitags von 7.30 bis 13 Uhr zur Verfügung.