Der 1. Mai – mehr als ein Feiertag
Der 1. Mai ist heute für viele ein freier Tag, ein Anlass für Kundgebungen oder ein langes Wochenende. Doch seine Wurzeln liegen in harten sozialen Kämpfen. Von Beginn an waren es vor allem Frauen, Arbeiterinnen, die für bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne und politische Rechte auf die Straße gingen.
Seinen Ursprung hat der 1. Mai in der Arbeiter:innenbewegung des 19. Jahrhunderts, insbesondere in den USA. 1886 streikten hunderttausende Arbeiter:innen für den Achtstundentag. Die Proteste eskalierten rund um den sogenannten Haymarket-Aufstand in Chicago. Was folgte, war Repression – aber auch internationale Solidarität. 1889 erklärte die Sozialistische Internationale den 1. Mai zum Kampftag der Arbeiter:innenbewegung.
Unsichtbar gemacht: Die Rolle der Arbeiterinnen
Was in vielen Erzählungen fehlt: Frauen waren zentrale Trägerinnen dieser Bewegung. Sie arbeiteten oft unter noch schlechteren Bedingungen – in Fabriken, als Heimarbeiterinnen oder in schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs. Gleichzeitig kämpften sie nicht nur für bessere Arbeitszeiten, sondern auch für politische Mitsprache und soziale Absicherung.
Feministische Bewegungen haben früh erkannt: Soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung sind untrennbar miteinander verbunden. Der Kampf um den Achtstundentag war immer auch ein Kampf um Zeit – Zeit für Erholung, für Familie, für gesellschaftliche Teilhabe. Gerade für Frauen, die neben Lohnarbeit auch unbezahlte Care-Arbeit leisten, ist diese Perspektive bis heute zentral.
Der 1. Mai heute: Auftrag für die Zukunft
Auch wenn sich vieles verbessert hat, sind viele Forderungen von damals noch immer aktuell. Frauen verdienen im Schnitt weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und übernehmen den Großteil unbezahlter Arbeit. Gleichzeitig sind es oft sie, die unsere Gesellschaft am Laufen halten – in Pflege, Bildung und sozialen Berufen.
Für uns Grüne ist klar: Der 1. Mai ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein Auftrag für die Zukunft. Wir kämpfen immer noch für faire Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und Gleichstellung. Wir setzten uns dafür ein, dass alle die gleichen Chancen haben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensrealität.