Neusiedl am See, Mattersburg, Oberpullendorf GRÜN unterwegs
Drei Tourtage zwischen Kreislaufwirtschaft, sozialer Verantwortung, regionalem Genuss und neuen Energielösungen
Die Sommertour „Grün unterwegs – Zuhören & Z’sammsitzen“ führte den GRÜNEN Landtagsklub durch die Bezirke Neusiedl am See, Mattersburg und Oberpullendorf. Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneter Philip Juranich besuchten innovative Betriebe und soziale Projekte, informierten sich über neue Energieformen und kamen bei den abendlichen Z’sammsitzen mit zahlreichen Menschen ins Gespräch.
Neusiedl am See: Kreislaufwirtschaft und Baukultur
In Gols zeigte das Unternehmen BeanSaver, wie Kaffeesatz zu einem wertvollen Rohstoff werden kann. Das erste marktreife Produkt ist ein Ganzjahresdünger aus wiederverwertetem Kaffeesatz, heimischer Schafwolle und Holz. Gemeinsam mit Partner:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft arbeitet das Unternehmen auch an Briketts, Ölen, Schmiermitteln und nachhaltigen Kunststoffalternativen.
„Kreislaufwirtschaft zeigt, wie aus vermeintlichem Abfall ein wertvoller Rohstoff werden kann. Damit das im großen Maßstab funktioniert, braucht es aber ein Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Unternehmen, Forschung, Sammelstellen und öffentliche Hand müssen eng zusammenarbeiten. Gerade letztere kann mit gutem Beispiel vorangehen, Kooperationen ermöglichen und solchen innovativen Projekten den Weg ebnen“, sagt GRÜNEN-Klubobfrau Margit Paul-Kientzl.
In Weiden am See ging es anschließend zur Schilfdachdeckerei Van Hoorne. Der Familienbetrieb verarbeitet Schilf vom Neusiedler See zu langlebigen Dächern und verbindet damit traditionelles Handwerk mit nachhaltigem Bauen. Ein fachgerecht errichtetes Schilfdach kann 50 Jahre oder länger halten, bietet natürliche Wärmedämmung und kann nach seiner Nutzung wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Auch neue Einsatzbereiche wie Schilf in Lärmschutzwänden werden erprobt.
Beim Z’sammsitzen in Winden am See ging es unter anderem um Mobilität im ländlichen Raum, Bodenschutz, Begrünung und die finanzielle Situation der Gemeinden.
Mattersburg: Soziale Chancen und Wasserstoff-Hightech
Im Bezirk Mattersburg besuchte der Landtagsklub zunächst das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt MEIN LADEN. Langzeitbeschäftigungslose Menschen, Wiedereinsteiger:innen und ältere Personen erhalten dort einen befristeten Arbeitsplatz, sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung bei Bewerbungen. Tätigkeiten gibt es im Secondhand-Geschäft, bei Übersiedlungen sowie im Haus- und Gartenbereich.
Das Projekt verbindet soziale Unterstützung mit Ressourcenschonung: Gespendete Kleidung, Möbel und Hausrat werden sortiert, aufbereitet und weiterverkauft. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 57.000 Kilogramm Kleidung abgegeben.
Danach tauchte die Delegation bei SCIOFLEX Hydrogen in die Welt der Wasserstofftechnologie ein. Das Mattersburger Unternehmen untersucht, wie sich Metalle, Kunststoffe und andere Werkstoffe unter Wasserstoffeinfluss verändern. Materialien können dort unter realitätsnahen Bedingungen und bei einem Druck von bis zu 400 bar geprüft werden.
Diese Tests sind unter anderem für Pipelines, Tanks und Ventile wichtig. SCIOFLEX untersucht auch Proben aus bestehenden Gasleitungen und prüft, ob diese künftig für den Transport von Wasserstoff geeignet sind. Das Know-how gewinnt an Bedeutung, weil ein großer Teil des geplanten europäischen Wasserstoffnetzes durch die Umrüstung bestehender Gasinfrastruktur entstehen soll.
„Wir dürfen diesen Technologiezug nicht verpassen. China hat Wasserstoff längst zu einer strategischen Zukunftstechnologie erklärt und baut Forschung, Produktion und Infrastruktur mit hohem Tempo aus. Europa und Österreich brauchen klare Regeln, Investitionen und starke Forschungsstandorte. SCIOFLEX zeigt, welches international gefragte Know-how auch aus dem Burgenland kommen kann“, sagt der GRÜNE Landtagsabgeordnete Philip Juranich.
Beim Z’sammsitzen in Bad Sauerbrunn wurden die letzte Meile im öffentlichen Verkehr, fehlende Radverbindungen, die Streichung der KLAR!-Invest-Förderungen, Lichtverschmutzung und die Sauberkeit öffentlicher Räume diskutiert.
Oberpullendorf: Bio-Produkte, Braukunst und Agri-PV
Im Bezirk Oberpullendorf begleitete auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner den Landtagsklub. Erste Station war Bio.k. in Weppersdorf. Der Familienbetrieb stellt seit 1999 biologische Aufstriche her und verarbeitet ausschließlich biozertifizierte Rohstoffe. Das Sortiment reicht von Tomate-Basilikum über Gemüse-Kren bis zu Hummus. Firmeninhaber Franz Dorner legt großen Wert auf Innovation und tüftelt auch an neuen süßen Kreationen wie Apfel-Zimt oder Haselnuss-Kakao.
In der Brauerei Kobersdorf führte Braumeister Peter Döllinger durch die handwerkliche Produktion. Gemeinsam mit fünf Beschäftigten stellt er acht verschiedene Biersorten her. Dazu gehört auch ein mit Waldblütenhonig verfeinertes Keltenbier für das Schwarzenbacher Keltenfest. Die Brauerei ist biozertifiziert und setzt auf österreichische Rohstoffe, Mehrweg und einen bewussten Umgang mit Ressourcen.
In Neckenmarkt informierte sich die Delegation schließlich über ein geplantes Agri-PV-Projekt. Die Anlage könnte nach Angaben der Betreiber jährlich rund 60.000 Megawattstunden sauberen Strom für etwa 12.100 Haushalte erzeugen. Gleichzeitig sollen 80 Prozent der Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Weitere Bereiche sind für Biodiversität, Weingärten, Sträucher und Obstbäume vorgesehen. Voraussetzung für die Umsetzung sind noch die notwendigen Genehmigungen.
Beim abschließenden Z’sammsitzen im Klosterkeller ging es unter anderem um Ragweed und andere invasive Pflanzenarten, Trockenheit und niedrige Wasserstände. Weitere Anliegen betrafen Verbesserungen am Busbahnhof Weppersdorf, das Anrufsammeltaxi BAST und die Ausstattung der Mittelschule Oberpullendorf.
Zuhören, mitnehmen, weiterarbeiten
Die drei Tourtage zeigten die Vielfalt unseres Bundeslandes: innovative Kreislaufwirtschaft, traditionelles Handwerk, soziale Beschäftigung, Wasserstofftechnologie, biologische Lebensmittelproduktion und erneuerbare Energie. Ebenso wichtig waren die Gespräche am Abend. Schließlich bedeutet „Grün unterwegs“, Menschen und Projekte kennenzulernen, konkrete Anliegen aufzunehmen und gemeinsam an guten Lösungen für die burgenländischen Regionen zu arbeiten.