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    Barrierefreiheit
04.08.2026 Landtag

GRÜN unterwegs in Oberwart, Güssing und Jennersdorf

Z'sammsitzen in Bad Tatzmannsdorf

Drei Tourtage zwischen Pioniergeist, regionaler Energie, lebendigem Kulturerbe und vielen offenen Gesprächen

Die letzte Woche der Sommertour „GRÜN unterwegs – Zuhören & Z’sammsitzen“ führte den GRÜNEN Landtagsklub in den Süden des Burgenlandes. Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneter Philip Juranich besuchten in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf außergewöhnliche Betriebe, regionale Energieprojekte und kulturelle Einrichtungen. Im Bezirk Oberwart war auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit dabei.
An allen drei Tagen traf der Landtagsklub auf Menschen, die mit Beharrlichkeit, Wissen und neuen Ideen ihre Region gestalten. Bei den abendlichen Z’sammsitzen standen dann wieder die Anliegen der Bevölkerung im Vordergrund.

Oberwart: Pilz-Pioniere, moderne Mobilität und gelebte Vielfalt

In Oberschützen besuchte die Delegation zunächst KiMa organics. Philipp Maitz kommt ursprünglich aus der Elektronik und hat sich das Wissen über die Pilzzucht autodidaktisch angeeignet. Seit 2022 kultiviert er hochwertige Bio-Pilze für die Gastronomie. Je nach Saison wachsen fünf bis sechs verschiedene Kulturen – darunter Shiitake, Austernpilze, Black Pearl King, Igelstachelbart oder Goldkäppchen.
Auf einem nährstoffreichen Substrat aus Eichensägemehl und Sojahülsen entstehen unter genau kontrollierten Bedingungen täglich zwischen zehn und 70 Kilogramm Pilze. Vieles sei Erfahrungssache, erzählte Maitz: Nicht jeder Versuch gelinge sofort, doch gerade aus Rückschlägen lasse sich Entscheidendes für die nächste Kultur lernen.
Anschließend ging es zur Zentrale der Verkehrsbetriebe Burgenland in Oberwart. Die Geschäftsführer Johannes Jandrisevits und Wolfgang Werderits berichteten über die Organisation des öffentlichen Verkehrs, die Elektrifizierung der Busflotte und Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit.
Die Verkehrsbetriebe beschäftigen rund 340 Mitarbeiter:innen und betreiben 70 Fahrzeuge auf 26 Buslinien. Für die E-Busse stehen mittlerweile 14 eigene Ladestationen zur Verfügung. Ein weiteres Augenmerk liegt auf barrierefreien Angeboten und der laufenden Anpassung der Verbindungen an die Bedürfnisse der Fahrgäste.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Austausch mit Vertreter:innen der burgenländischen Volksgruppen. Besprochen wurde auch die jüngste Neuregelung des Volksgruppenrechts: Künftig werden alle sechs anerkannten autochthonen Volksgruppen Österreichs im Volksgruppengesetz ausdrücklich im Verfassungsrang genannt. Auch ein umfassenderer jährlicher Volksgruppenbericht und eine stärkere Einbindung der Volksgruppenbeiräte sind vorgesehen.
Bei Radio MORA wurde die sprachliche Vielfalt des Landes anschließend hörbar. Das Mehrsprachige Offene Radio gibt den unterschiedlichen Sprachen und Kulturen des Burgenlandes eine Stimme und greift Themen auf, die die Menschen in der Region beschäftigen.
Beim Z’sammsitzen im Arkadenheurigen Dazumal in Bad Tatzmannsdorf ging es um bessere Busverbindungen, sichere Fußwege, mehr Grün in den Gemeinden, die Sichtbarkeit der Volksgruppen und die Frage, wie Gemeinschaft in wachsenden Orten gestärkt werden kann.
„Tage wie der heutige zeigen mir, wie viel Herz und Tatkraft die Süd-Burgenländer:innen mitbringen! Sie haben uns heute mitgegeben, was in ihrem Alltag gut funktioniert und wo es Verbesserungen braucht. Besonders beeindruckt hat mich, dass so viele Menschen bereit sind, für ihre Region mitanzupacken. Genau dieses Miteinander macht den Bezirk Oberwart aus – und ist der Nährboden für eine gute Zukunft“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner.

Güssing: Regionale Energie und die Vielfalt der Streuobstwiesen

Im Bezirk Güssing führte die Tour zunächst ins Europäische Zentrum für Erneuerbare Energie. Das EEE entwickelt seit 1996 regionale und kommunale Konzepte zur Energieeinsparung und zur Nutzung erneuerbarer Energie. Grundlage ist das international bekannte „Modell Güssing“: Energie soll dezentral und mit jenen erneuerbaren Ressourcen erzeugt werden, die vor Ort verfügbar sind. So können fossile Importe reduziert und Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze in der Region gehalten werden.
Wie regionale Kreisläufe praktisch funktionieren, zeigte die Biogasanlage in Strem. Dort werden Gras, Mais und andere pflanzliche Rohstoffe vergoren. Das entstehende Biogas wird in Strom und Wärme umgewandelt, während die Gärreste als Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden.
„Regionale Selbstversorgung mit erneuerbarer Energie ist ökologisch sinnvoll, spart Emissionen und hält die Wertschöpfung vor Ort. Gleichzeitig verringert sie unsere Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und damit von autoritären Regimen. Gerade das Modell Güssing zeigt, dass Energiewende und regionale Entwicklung zwei Seiten derselben Medaille sind“, sagt Juranich.
Im Streuobst-Kompetenzzentrum in Burgauberg-Neudauberg lautete das Motto anschließend „Schutz durch Nutzung“. Denn nur wenn Obst geerntet und verarbeitet wird, bleiben auch die Bäume und alten Sorten langfristig erhalten.
Mehr als 300 Apfelsorten wurden in der Region bereits kartiert, darunter seltene Sorten wie Schafnase und Siebenschläfer. Alte Sorten können besonders widerstandsfähig gegen Krankheiten sein und angesichts steigender Temperaturen künftig noch wichtiger werden. Das Zentrum vermittelt Wissen über Baumschnitt und Veredelung und ist mit einer mobilen Saftpresse im ganzen Burgenland unterwegs. Im vergangenen Jahr wurden rund 45.000 Kilogramm Obst verarbeitet.
Beim Z’sammsitzen im conClusius in Güssing beschäftigten vor allem die anhaltende Trockenheit, sinkende Wasserstände und ein vorausschauendes Wassermanagement die Gäste. Auch der weitere Ausbau erneuerbarer Energie und die Unterstützung der Gemeinden bei konkreten Projekten wurden diskutiert.

Jennersdorf: Neue Wege im Weinbau und alte Geschichten in der Mühle

Der letzte Tourtag führte zum Bioweinbau Oberkofler in Weichselbaum. Patrizia Falkensteiner und David Oberkofler kamen aus Südtirol ins Südburgenland und entwickelten ihren Betrieb mit viel Ausdauer und Innovationsgeist zu einem mehrfach ausgezeichneten Bio-Weingut.
Eine wichtige Rolle spielen sogenannte PIWI-Reben. Die pilzwiderstandsfähigen Sorten ermöglichen es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich zu reduzieren. Mit ihren Weinen gehörten die Oberkoflers zu den Vorreiter:innen in der Region. Mittlerweile greifen auch andere Weinbaubetriebe diesen Ansatz auf.
Nachdem Hagel zwei Jahre hintereinander große Teile der Ernte vernichtet hatte, begann die Familie außerdem mit dem Anbau kälteresistenter Olivensorten. Eine große Herausforderung bleibt hingegen die von der Amerikanischen Rebzikade übertragene Goldgelbe Vergilbung. Wegen der gefährlichen Rebenkrankheit musste eine fünf Jahre alte Anlage vollständig gerodet werden.
In Windisch-Minihof ging es anschließend zur Jost-Mühle. Die 1903 in Betrieb genommene Wassermühle war bis 1998 in Verwendung und gilt heute als letzte funktionsfähige Wassermühle der Region. Als sogenannte Lohnmühle war sie ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Versorgung: Die Menschen aus der Umgebung ließen dort gegen Bezahlung Roggen, Weizen, Buchweizen, Dinkel oder Mais mahlen.
Kultur- und Landschaftsvermittlerin Eveline Schlager nahm die Besucher:innen mit in die Arbeits- und Lebenswelt früherer Generationen. Dass die Mühle so gut erhalten geblieben ist, verdankt sich dem Engagement vieler Beteiligter – insbesondere auch der Gemeinde.
„Die Jost-Mühle ist ein Stück lebendige Geschichte. Das Wissen darüber, wie Menschen früher gearbeitet, gewirtschaftet und gelebt haben, ist Teil unserer burgenländischen Identität. Dass die Gemeinde und engagierte Menschen diesen besonderen Ort bewahren und für Besucher:innen erlebbar machen, ist ein großer Gewinn für die ganze Region“, sagt Paul-Kientzl.
Das letzte Z’sammsitzen der Tour fand beim Kreuzstadl in Mogersdorf statt. Ein bestimmendes Thema war die drohende Schließung des Lenzingwerks in Heiligenkreuz und die Sorge um Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Gesprochen wurde außerdem über Mobilität im ländlichen Raum, Kanalgebühren, die eingestellte Bahnstrecke zwischen Friedberg und Oberwart, klimafitte Gemeinden, Dorferneuerung und den Einsatz von Pestiziden.

Acht Tage, sieben Bezirke und viele Begegnungen

Mit dem Tourtag im Bezirk Jennersdorf ging die Sommertour 2026 zu Ende. An acht Tagen bereiste der GRÜNE Landtagsklub das gesamte Burgenland – von landwirtschaftlichen Betrieben und sozialen Projekten über innovative Unternehmen bis zu kulturellen Einrichtungen.
„Wir haben das Burgenland in diesen acht Tourtagen von Nord bis Süd bereist und dabei die unterschiedlichsten Menschen getroffen. Was sie verbindet, ist die Liebe zu ihrer Heimat und zur Natur, aber auch viel Beharrlichkeit, Pioniergeist und der Mut, eigene Visionen zu verwirklichen. Diese Begegnungen und die vielen offenen Gespräche waren für uns unglaublich bereichernd. Wir nehmen zahlreiche konkrete Anliegen mit in unsere Arbeit im Landtag. Politik funktioniert am besten, wenn sie zuhört und nahe bei den Menschen bleibt“, halten Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneter Philip Juranich fest.