Burgenland fordert Stabilitätsprogramm
Burgenland fordert Stabilitätsprogramm gegen die Agrarkrise
LH-Stv.in Haider-Wallner: „Unsere Betriebe brauchen rasche Hilfe und eine langfristige Perspektive“
Eine Milliarde Euro an Dürreschäden österreichweit zeigt: Die Klimakrise ist längst auch eine Agrarkrise. Besonders stark betroffen ist das Burgenland. Seit dem Frühjahr 2026 wurde ein durchschnittliches Niederschlagsdefizit von 39 Prozent verzeichnet, im Frühjahr und seit Juni fehlten teilweise mehr als 70 Prozent der Niederschläge. Rund 65 Millionen Euro der Dürreschäden fallen im Burgenland an.
Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrarlandesrätin Anja Haider-Wallner fordert deshalb von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig ein langfristiges Stabilitätsprogramm für die österreichische Landwirtschaft.
„Wir können nicht jedes Jahr auf die nächste Dürre warten und anschließend darüber diskutieren, wie hoch die Schäden sind. Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit und einen langfristigen Plan, wie sie auch unter den Bedingungen der Klimakrise erfolgreich wirtschaften können“, so Haider-Wallner.
Auch der Seewinkler Landwirt und Influencer Sebastian Bauer alias „Bauaranger“ fordert langfristige Lösungen – insbesondere beim Thema Wasser: „Wir werden mit niedrigen Grundwasserständen in die nächste Saison gehen. Dafür braucht es endlich Konzepte und Lösungsansätze.“
Dürreversicherung wieder leistbar machen
Eine zentrale Forderung betrifft die Dürreversicherung. Nach einer Änderung des Dürreindex durch den Landwirtschaftsminister werden Hitzetage nur noch eingeschränkt berücksichtigt. Wer weiterhin einen umfassenden Versicherungsschutz möchte, muss auf eine teurere Variante zurückgreifen. Für die burgenländischen Landwirt:innen entstanden dadurch heuer Mehrkosten von rund 1,1 Millionen Euro.
„Es ist geradezu zynisch, angesichts der steigenden Hitze und Trockenheit die staatliche Unterstützung für die Dürreversicherung einzusparen. Eine leistbare und umfassende Absicherung muss Teil eines langfristigen Stabilitätsprogramms sein“, kritisiert Haider-Wallner.
Auch Betriebsmittelkredite allein seien keine nachhaltige Antwort auf die Krise. „Betriebe, die durch Dürre bereits Einkommensverluste haben, dürfen nicht zusätzlich in eine Schuldenfalle gedrängt werden“, so Haider-Wallner.
Sechs Punkte für eine krisenfeste Landwirtschaft
Das Burgenland hat dem Landwirtschaftsminister konkrete Vorschläge für ein österreichisches Stabilitätsprogramm übermittelt:
- Dürreversicherung wieder leistbar machen und Hitze sowie Trockenheit umfassend absichern.
- Wasser-Sicherheitsplan für Österreich mit Investitionen in Grundwasserschutz, Bewässerung und natürlichen Wasserrückhalt.
- Klimafitte Landwirtschaft fördern, etwa durch Bodenschutz, Humusaufbau, trockenheitsangepasste Sorten und wassersparende Technologien.
- Faire Preise und heimische Lebensmittel sichern, unter anderem durch eine verbindliche Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie.
- Klimaanpassung gesetzlich verankern und verbindliche Ziele sowie regelmäßiges Monitoring schaffen.
- Renaturierung als Vorsorge nutzen, um Wasserrückhalt, gesunde Böden und widerstandsfähige Agrarlandschaften zu stärken.
„Wir brauchen einen Plan, der nicht jedes Jahr aufs Neue die Schäden der Klimakrise diskutiert, sondern unsere Landwirtschaft dauerhaft krisenfest macht“, so Haider-Wallner abschließend.