Klimaschutz-Fiasko in Neusiedl
Wie Ignoranz und Sparwahn wertvolles Stadtgrün zerstören
Neusiedl am See präsentiert sich gerne als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Bei der Einreichung eines Projektes zum Burgenländischen Umweltpreis – es wurde der dritte Platz erreicht – schmückte sich die Stadtgemeinde sogar mit fremden Federn, während hinter den Kulissen auf ein ökologisches und finanzielles Desaster zugesteuert wurde.
Der innovative, klimaresistente „New Pannonian Style“, der als Antwort auf die Erderwärmung von engagierten Privatpersonen entwickelt wurde, steht in der Bezirkshauptstadt vor dem endgültigen Aus. Die Zahlen hinterlassen Fassungslosigkeit: Rund 80 dieser Beete wurden seit 2015 angelegt. Doch die Stadtgemeinde hat nur relativ wenig dazu beigetragen. Zu 85 Prozent wurden die Flächen ehrenamtlich und aus privater Leidenschaft zur Natur durch einen lokalen Verein gestaltet und finanziert. Pflanzen im Wert von 55.000 Euro wurden der Bevölkerung auf diese Weise geschenkt sowie ein dokumentierter Arbeitsaufwand von mehr als 2.000 Stunden geleistet.
Anstatt dieses Geschenk zu würdigen, wird es nun mutwillig vernichtet. Durch unsachgemäße gärtnerische Arbeit und den offensichtlichen Unwillen der Gemeindeverwaltung unter der politischen Verantwortung der Bürgermeisterin sind bereits rund die Hälfte der mühevoll errichteten Beete nachteilig verändert, verwahrlost oder gar unwiederbringlich zerstört. Aber auch brutales Abfräsen von Trockenrasenflächen und Beschädigung von Jungbäumen statt behutsamer Mäharbeit zerstören wertvolle Ökoflächen. Es fehlt in den zuständigen Stellen schlicht am fachlichen Know-how oder am Willen zu einer fachgerechten Pflege. Die Zusammenarbeit mit den Bauhofmitarbeitern erweist sich, was die Pflege dieser Flächen und Beete betrifft, als sehr schwierig. Zu allem Überfluss zieht sich die Verwaltung nun völlig aus der Affäre: Der Stadtkassier verkündete unlängst, dass aufgrund der tristen Finanzsituation kein Geld mehr für die Pflege der Pflanzflächen vorhanden sei. Das ist eine fatale Milchmädchenrechnung und eine beispiellose Geldverschwendung. Werte von weit über 150.000 Euro, die der Stadt gratis überlassen wurden, verkommen durch mangelnde Wertschätzung und Inkompetenz. Zum 100-jährigen Jubiläum sollte Neusiedl eigentlich als stolze Gartenstadt erstrahlen – stattdessen herrscht seitens der Gemeindeführung eisiges Schweigen. Großveranstaltungen wie die Gartentage wandern in Nachbargemeinden ab. Anscheinend gesunde Bäume werden zum Entsetzen von Anrainern im Stadtgebiet nun wieder ohne vorherige Ankündigung und Begründung gefällt und an den Naschmeilen der Stadt wurden innerhalb von zwei Saisonen einige Dutzend Obstbäumchen vom Mähtraktor unwiederbringlich zerstört. Wertvolle Blumenwiesen und Säume wurden bereits im April und Mai zu braunen Stoppeln abgemäht.
Der Imageschaden für Neusiedl am See ist enorm. Die Stadt verliert ihren Ruf als grüne Vorzeigegemeinde und präsentiert sich stattdessen als rückschrittliche Betonwüste mit einer unangepassten Gartenkultur, die seit Jahrzehnten nicht mehr praktiziert werden sollte. Diese die Natur schädigende Vorgehensweise und die bewusste Vernichtung von wertvollem Stadtgrün müssen so schnell wie möglich abgestellt werden! Die Gemeindeverwaltung, insbesonders die Frau Bürgermeisterin, und die Leitungsebene imBauhof stehen in der Pflicht, unverzüglich umzudenken und eine fachgerechte Pflege zu garantieren, um weiteren finanziellen und ökologischen Schaden von der Stadtgemeinde abzuwenden.